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Die Unsichtbaren

Plakat_dieunsichtbarenIhre Ankunft in Deutschland ist nicht gerade ein herzliches Willkommen: Asylbewerber in Brandenburg werden zunächst in das Erstanmeldezentrum in Eisenhüttenstadt gebracht. Eine unwirkliche Ort am Rande des Nirgendwo. Hier ist, wo sie durch die entscheidenden Schritte des Asylverfahrens in den nächsten drei Monaten gehen werden. Ihr Leben ist mit Langeweile und Unsicherheit gefüllt – aber dennoch haben sie einen Alltag, ein vages Gefühl von Zuhause auf Zeit.

Der Film begleitet vier Asylbewerber auf ihrem Weg durch die behördlichen Verfahren: ein seltener Einblick in die Black Box des Asylrechts. Ihre Hoffnungen auf einen Neuanfang in Deutschland stehen in scharfem Kontrast zu der Realität des bürokratischen Entscheidungsprozess .

Der Film lief auf dem Max Ophüls Festival in Saarbrücken.

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Fremd

Plakat FremdFremd beschreibt den von der Not diktierten Aufbruch eines jungen Maliers nach Europa. Seit zweieinhalb Jahren ist er unterwegs in eine Welt, in der er nie leben wollte. Der Film sucht die Beweggründe für diese Flucht und gewährt Einblick in die Lebensumstände und den zermürbenden Alltag von Migranten auf ihrem Weg vom subsaharischen Afrika über Algerien und Marokko nach Europa. Er zeigt ihr Leben, das geprägt ist von Hetze und Hoffnung, Flucht und Stillstand. Vom Leben als jahrelanger Reisender und vom Überleben in der Fremde.

„Je näher ich die jungen Männer und Frauen auf ihrer Odyssee vor Europa kennenlernte, desto dringender verspürte ich den Wunsch Ihnen – die in unsrer politischen Sprache meistens nur als anonyme Masse auftauchen, vor der es sich zu schützen gilt – ein Gesicht zu verleihen. Ich will sie in „Fremd“ als Individuen wahrnehmbar werden lassen und ihnen die Möglichkeit geben für sich selbst zu sprechen.

Ich bewunderte die mir anfangs fremden Migranten für ihre Konsequenz und ihren unbedingten Willen einen Kontinent erreichen zu wollen, den sie nur schemenhaft kannten. Diese Bereitschaft zu einem kompletten Bruch mit ihrem bisherigen Leben machte mich neugierig. Als mir bewusst wurde, unter welchen Umständen sie in ihren Ländern leben, welcher Trostlosigkeit und Restriktion sie sich häufig gegenübersehen, verstand ich, dass für sie ein Leben, selbst mit den einfachsten Wünschen in ihren Heimatländern unmöglich ist.

Denn wie kann man sich selbst verwirklichen, auf Bildung, Rechtsstaatlichkeit, und persönliche Freiheit hoffen wenn man jeden Tag erneut ums Überleben kämpfen muss? Wenn man keinen Cent in der Tasche hat? Wenn man sich fremd fühlt im eigenen Land?

Die drangsalierten, durstigen aber immer noch ungebrochenen Migranten an provisorischen Orten, in Wäldern versteckt wiederzutreffen, gab mir das Gefühl sie seien verloren und ihre Reise brächte sie eher weiter von sich weg als näher zu sich selbst.

Fremd ist eine Geschichte über Menschen auf Reisen, auf der Suche nach einem anderen Leben. Eine Reflexion über den Verlust von Zeit und das Scheitern. Aber ist es nicht unser Scheitern?“

(Text: Miriam Faßbender)

Credits:

D / MALI / ALGERIEN / MAROKKO 2011
Regie, Buch & Kamera: Miriam Faßbender
Schnitt: Andreas Landeck,Andrea Schönherr,
Sylke Rohrlach
Ton: Rainer Gerlach, Kai Lüde
Musik: Christof Vonderau
Produktion: Max Milhahn Filmproduktion
93 Min., französisch, bambara OmU
Verleih: http://www.peripherfilm.de/fremd/

angefragte Gäste:

Fluchtraum e.V.

Moderation:

Sonja Taubert / Robert Stracke

© Bild: Verleih

 

Io sto con la sposa – Auf der Seite der Braut

(C) Verleih
(C) Verleih

Ein palästinensischer Dichter und ein italienischer Journalist treffen in Mailand auf fünf Flüchtlinge, die kurz zuvor auf Lampedusa europäischen Boden betreten hatten. Sie beschließen, der Gruppe bei ihrer Weiterreise nach Schweden auf kreative Art und Weise zu helfen und geben sich kurzerhand als Hochzeitsgesellschaft aus. Eine palästinensische Freundin ist bereit, sich als Braut zu verkleiden, und rund ein Dutzend italienischer und syrischer Freunde treten als Hochzeitsgäste die Reise an. Was klingt wie ein Spielfilm, ist ein Dokumentarfilm und gleichzeitig eine politische Aktion. Im November 2013 schafft die Gruppe in vier Tagen 3000 Kilometer quer durch Europa. Dabei werden die Geschichten und Hoffnungen der flüchtenden Syrer und Palästinenser und die ihrer engagierten Helfer sichtbar und ein Europa, das sich transnational, unterstützend und mutig für Menschen auf der Flucht einsetzt.

Io sto con las sposa, Italien 2014, Regie: Antonio Augugliaro, Gabriele Del Grande, Khaled Soliman Al Nassiry, italienisch/arabisch/englisch m. deutschem UT, 89 Min.

Website zum Film

Link zum Film auf Youtube